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Sonderurlaub bei der Geburt: Welche Ansprüche hat der Vater und was gilt 2026?

19. März 2026
7 Min. Lesezeit
Sonderurlaub bei der Geburt: Welche Ansprüche hat der Vater und was gilt 2026?

Beim Sonderurlaub bei der Geburt klafft eine breite Lücke zwischen dem, was viele Väter erwarten, und dem, was das deutsche Recht tatsächlich hergibt. Ein bundesgesetzlicher Anspruch auf Freistellung für den nicht gebärenden Elternteil existiert bis heute nicht. Ob und wie viele Tage trotzdem möglich sind, entscheidet das Zusammenspiel aus § 616 BGB, Tarifvertrag und Arbeitsvertrag.

Sonderurlaub bei der Geburt: Das Wichtigste in Kürze

  • Einen allgemeinen gesetzlichen Sonderurlaub bei der Geburt für Väter gibt es in Deutschland nicht. § 616 BGB ist die einzige gesetzliche Grundlage, sofern er im Arbeitsvertrag nicht ausgeschlossen wurde.
  • § 29 TVöD gewährt tarifgebundenen Beschäftigten bei der Niederkunft der Ehefrau, Lebenspartnerin oder Lebensgefährtin einen bezahlten Arbeitstag.
  • Deutschland hat die EU-Vorgaben zum Sonderurlaub bei der Geburt für Väter bis 2026 nicht ausdrücklich durch einen eigenen gesetzlichen Anspruch umgesetzt.
  • absentify bildet Sonderurlaub bei der Geburt als eigenständige Abwesenheitskategorie ab, getrennt vom Jahresurlaub, mit Genehmigungsprozess und Nachweis-Upload direkt in Microsoft Teams und Outlook.

Gibt es einen gesetzlichen Sonderurlaub bei der Geburt in Deutschland?

Sonderurlaub bei der Geburt bezeichnet die bezahlte Freistellung des nicht gebärenden Elternteils unmittelbar nach der Geburt eines Kindes. Diese Freistellung ergibt sich weder aus dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) noch aus einem Spezialgesetz, das Väter oder Partnerinnen ausdrücklich regelt.

§ 616 BGB ist die einzige gesetzliche Grundlage für Arbeitnehmer ohne Tarifbindung. Die Norm sichert die Lohnfortzahlung bei persönlicher Verhinderung, nennt aber weder die Geburt als konkreten Anlass noch eine feste Tageszahl. Arbeitsgerichte erkennen die Geburt eines Kindes als persönlichen Hinderungsgrund im Sinne des § 616 BGB an.

§ 616 BGB ist dispositives Recht. Arbeitgeber dürfen ihn per Arbeitsvertrag vollständig ausschließen, und in vielen Standardverträgen geschieht genau das. Den eigenen Vertrag vor dem Antrag zu prüfen, ist deshalb kein optionaler Schritt.

Klar abzugrenzen ist der Sonderurlaub bei der Geburt von der Elternzeit nach dem BEEG:

Sonderurlaub GeburtElternzeit
Dauer1–2 TageBis zu 3 Jahre
Rechtsgrundlage§ 616 BGB, TVöD, ArbeitsvertragBEEG
ZeitpunktUnmittelbar nach der GeburtFlexibel bis zum 3. Lebensjahr
Verrechenbar miteinanderNeinNein
4.4/5
4.5/5
4.9/5

Sonderurlaub bei der Geburt rechtssicher verwalten

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Wie viel Sonderurlaub steht dem Vater bei der Geburt zu?

Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: der Rechtsgrundlage, der Tarifbindung und dem genauen Wortlaut des Arbeitsvertrags.

Sonderurlaub Vater Geburt nach TVöD § 29

Für tarifgebundene Beschäftigte im öffentlichen Dienst regelt § 29 TVöD die Arbeitsbefreiung bei der Geburt ausdrücklich. Bei der Niederkunft der Ehefrau, der eingetragenen Lebenspartnerin oder der in ehe- oder lebenspartnerschaftsähnlicher Gemeinschaft lebenden Lebensgefährtin besteht Anspruch auf einen bezahlten Arbeitstag, getrennt vom Jahresurlaub.

RechtsgrundlageAnspruchsberechtigteDauerMit Lohnfortzahlung?
§ 29 TVöDTarifgebundene Beschäftigte bei Niederkunft der Ehefrau, Lebenspartnerin oder Lebensgefährtin.1 ArbeitstagJa
§ 616 BGBArbeitnehmer, sofern die Vorschrift nicht wirksam ausgeschlossen wurde und die Voraussetzungen im Einzelfall vorliegenEinzelfallabhängigJa
Arbeitsvertrag / BetriebsvereinbarungJe nach RegelungJe nach RegelungJe nach Regelung
EU-Richtlinie 2019/1158Grundsatz: mindestens 10 Arbeitstage Vaterschaftsurlaub10 ArbeitstageRechtliche Umsetzung in Deutschland 2026 umstritten

Sonderurlaub bei der Geburt ohne Tarifvertrag

Liegt keine Tarifbindung vor und enthält der Arbeitsvertrag keinen Ausschluss des § 616 BGB, kommt ein Freistellungsanspruch aus dem Gesetz in Betracht. Inwiefern er im konkreten Fall besteht, richtet sich nach den Voraussetzungen des § 616 BGB und den Umständen des Einzelfalls. Für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit werden in der Praxis häufig ein bis zwei Tage angenommen.

Vor dem Antrag stehen zwei Fragen:

  1. Enthält dein Arbeitsvertrag eine Klausel, die § 616 BGB ausdrücklich ausschließt?
  2. Besteht im Betrieb eine Betriebsvereinbarung mit einer eigenen Regelung für die Geburt?

Fehlt beides, kann § 616 BGB grundsätzlich greifen. Liegt ein Ausschluss vor, bleibt nur die freiwillige Gewährung durch den Arbeitgeber oder der Weg über eine Betriebsvereinbarung.

Was plant die EU und wann kommt der Vaterschaftsurlaub in Deutschland?

Die EU-Richtlinie 2019/1158 verpflichtet alle Mitgliedstaaten, mindestens zehn Arbeitstage bezahlten Vaterschaftsurlaub gesetzlich zu verankern. Deutschland hat diese Vorgabe bis 2026 nicht umgesetzt.

Die EU-Richtlinie 2019/1158 sieht grundsätzlich mindestens zehn Arbeitstage Vaterschaftsurlaub vor. Inwiefern Deutschland daneben einen eigenständigen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub schaffen muss, ist 2026 rechtlich nicht abschließend geklärt.

Für HR-Abteilungen bleibt damit weiterhin wichtig, Freistellungsansprüche auf Grundlage von Tarifvertrag, Arbeitsvertrag und internen Regelungen sauber zu dokumentieren. Unternehmen, die einen zusätzlichen Anspruch freiwillig gewähren, regeln ihn am sichersten schriftlich und einheitlich. Eine Betriebsvereinbarung kann dafür ein geeignetes Instrument sein, weil sie im Anwendungsbereich einheitliche Regeln schafft und Einzelfallentscheidungen reduziert.

Den übergeordneten rechtlichen Rahmen mit allen drei Rechtsebenen behandelt der Artikel zu Sonderurlaub ausführlich. Planbare Anlässe wie Sonderurlaub bei der Hochzeit oder unvorhergesehene wie Sonderurlaub im Todesfall folgen denselben Rechtsebenen, unterscheiden sich aber im Ablauf der Antragstellung deutlich.

Besteht Sonderurlaub bei der Geburt eines Enkels?

Für Großeltern sieht weder § 616 BGB noch der TVöD einen ausdrücklichen Anspruch auf Sonderurlaub bei der Geburt eines Enkels vor. Ein pauschaler Anspruch lässt sich daraus nicht ableiten. Inwiefern § 616 BGB in Ausnahmefällen eingreifen kann, hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalls und vom Inhalt des Arbeitsvertrags ab. Ohne belastbare spezielle Rechtsgrundlage sollte die Geburt eines Enkels daher nicht als gesicherter Freistellungsanspruch dargestellt werden.

Für HR-Abteilungen schafft eine Betriebsvereinbarung, die auch verwandtschaftlich entferntere Anlässe abdeckt, mehr Rechtssicherheit als Einzelfallentscheidungen unter Zeitdruck.

Darf der Arbeitgeber Sonderurlaub bei der Geburt verweigern?

Die Zulässigkeit einer Ablehnung hängt in erster Linie davon ab, welche Rechtsgrundlage für den konkreten Fall gilt und ob deren Voraussetzungen erfüllt sind. Eine laufende Urlaubssperre betrifft grundsätzlich den Erholungsurlaub nach dem BUrlG und nicht ohne Weiteres sonstige gesetzliche oder tarifliche Freistellungen.

Vater hält neugeborenes Baby im Krankenhaus

Eine Ablehnung ist in der Regel nicht zulässig, wenn:

  • der TVöD § 29 oder ein anderer Tarifvertrag den Anlass ausdrücklich regelt,
  • der Arbeitsvertrag oder eine Betriebsvereinbarung einen eigenen Anspruch vorsieht
  • oder § 616 BGB im Einzelfall greift und nicht wirksam ausgeschlossen wurde.

Eine Ablehnung kann zulässig sein, wenn:

  • § 616 BGB im Arbeitsvertrag wirksam ausgeschlossen wurde,
  • keine tarifliche oder betriebliche Regelung für diesen Anlass besteht
  • oder ein verlangter Nachweis dauerhaft fehlt.

Lehnt der Arbeitgeber trotz bestehender Rechtsgrundlage ab, frage die Entscheidung schriftlich unter Hinweis auf die einschlägige Norm an. Besteht im Betrieb ein Betriebsrat, kann dieser einbezogen werden.

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Wie beantrage ich Sonderurlaub bei der Geburt richtig?

Die Geburt unterscheidet sich von anderen Sonderurlaubsanlässen in dem Punkt, dass sie zwar planbar ist, der genaue Zeitpunkt jedoch nicht. Das verändert den Ablauf konkret an zwei Stellen:

  1. Den Nachweis ankündigen, nicht abwarten: Die Geburtsurkunde liegt meist erst wenige Tage nach der Geburt vor. Stelle den Antrag trotzdem sofort und kündige den Nachweis schriftlich im selben Schritt an.
  2. Kategorisierung von Anfang an klären: Sonderurlaub bei der Geburt darf nicht als Erholungsurlaub verbucht werden, wenn ein eigenständiger Freistellungsanspruch besteht. Fordere bereits im Antrag eine schriftliche Bestätigung an, aus der die Abwesenheitskategorie klar hervorgeht. Eine schriftliche Dokumentation der Abwesenheitsart hält dies revisionssicher fest.

Den vollständigen Antragsprozess mit allen Pflichtangaben, von der Rechtsgrundlage bis zur Vertretungsregelung, deckt die Vorlage für einen Urlaubsantrag ab. Die allgemeine Checkliste zur rechtssicheren Beantragung von Sonderurlaub gilt dabei für alle Anlässe gleichermaßen.

Absentify-Dashboard mit Sonderurlaubsantrag zur Geburt

Sonderurlaub bei der Geburt rechtssicher dokumentieren und verwalten

Inwiefern ein Anspruch auf Sonderurlaub bei der Geburt besteht, hängt vom anwendbaren Tarifvertrag, dem Wortlaut des Arbeitsvertrags und der Frage ab, inwiefern § 616 BGB ausgeschlossen wurde. Ein bundesgesetzlicher Standard existiert bis heute nicht.

Abwesenheitsübersicht in absentify mit Urlaubskategorien

HR-Abteilungen buchen die Tage deshalb mitunter fälschlich als Jahresurlaub. Das kann zu falschen Abrechnungen und Compliance-Risiken führen. In absentify lässt sich Sonderurlaub bei der Geburt als eigenständige Abwesenheitskategorie anlegen. Dadurch kann der Prozess standardisiert abgebildet werden.

Deine Vorteile mit absentify:

  • Sonderurlaub bei der Geburt als eigenständige Abwesenheitskategorie anlegen, technisch getrennt vom Jahresurlaubskontingent
  • Genehmigungsprozess und Nachweis-Upload direkt im Antrag hinterlegen, für HR zentral abrufbar
  • Automatische Benachrichtigungen an Beteiligte, wodurch E-Mail-Ketten und Rückfragen reduziert werden können
  • Direkte Integration in Microsoft Teams und Outlook, dort, wo dein Team ohnehin arbeitet

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Sonderurlaub bei der Geburt – Häufige Fragen und Antworten

Nichteheliche Partner können nach § 29 TVöD anspruchsberechtigt sein, wenn es um die Niederkunft der Lebensgefährtin in ehe- oder lebenspartnerschaftsähnlicher Gemeinschaft geht. Außerhalb tariflicher Regelungen kommt ein Anspruch nur über § 616 BGB in Betracht, sofern die Vorschrift nicht ausgeschlossen wurde.
Eine Freistellung wegen der Geburt setzt in der Regel einen engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Ereignis voraus. Wie eng dieser Zusammenhang sein muss, hängt von der jeweiligen Rechtsgrundlage und den Umständen des Einzelfalls ab. Den Antrag schriftlich zu stellen und zu dokumentieren, kann im Streitfall hilfreich sein.
Teilzeitbeschäftigte Väter haben grundsätzlich denselben Anspruch wie Vollzeitkräfte, sofern eine Rechtsgrundlage besteht. Der Freistellungstag nach TVöD § 29 setzt voraus, dass die Geburt auf einen regulären Arbeitstag fällt. Fällt der Anlass auf einen arbeitsfreien Tag, entsteht kein Ersatzanspruch, sofern Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung keinen Ausgleich vorsehen.
Bezahlter Sonderurlaub bei der Geburt gilt als reguläre Beschäftigungszeit, da der Lohnanspruch in dieser Zeit erhalten bleibt. Kranken-, Renten- und Pflegeversicherungsbeiträge laufen weiter. Bei unbezahltem Sonderurlaub ist die Beitragspflicht je nach Dauer und Versicherungsart gesondert zu prüfen.
In absentify lassen sich für tarifgebundene Beschäftigte und alle anderen Gruppen separate Abwesenheitskategorien mit unterschiedlichen Kontingenten und Genehmigungsregeln anlegen. TVöD-Beschäftigte erhalten automatisch den nach § 29 vorgesehenen Tag, für andere Gruppen läuft eine eigene Kategorie parallel. Alle Prozesse laufen direkt in Microsoft Teams und Outlook ab.
absentify erfasst Sonderurlaubstypen als eigenständige Kategorien, technisch getrennt vom Jahresurlaubskontingent. Dadurch kann das Risiko einer versehentlichen Anrechnung auf den Resturlaub deutlich reduziert werden. Buchungen werden systemseitig dokumentiert und können für HR, Führungskräfte und Mitarbeitende nachvollziehbar dargestellt werden. Das unterstützt eine saubere Abgrenzung von Urlaubs- und Freistellungsarten.

Über den Autor

Anna Keller

Anna Keller

Content Managerin bei absentify

Als Blogautorin bei absentify erklärt Anna Keller, wie Unternehmen Abwesenheiten, Urlaub und Arbeitszeiten effizient verwalten können. In ihren Artikeln verbindet sie HR-Praxis mit Microsoft 365-Tipps für Outlook und Teams und liefert Vorlagen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Softwarevergleiche für moderne, digitale Prozesse.

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