Betriebliche Urlaubsregelung: Was Arbeitgeber beachten müssen
30. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Eine Urlaubsregelung legt fest, nach welchen Grundsätzen Urlaub im Unternehmen beantragt und gewährt wird. Teile davon können im Arbeitsvertrag festgehalten sein. Je nach Unternehmen ergeben sich weitere Vorgaben aus Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder internen Regelungen. Das Bundesurlaubsgesetz setzt dabei den rechtlichen Rahmen. So entsteht ein verbindlicher Ablauf, an dem sich die betriebliche Urlaubsplanung orientiert.
Urlaubsregelung: Das Wichtigste in Kürze
Eine Urlaubsregelung legt fest, nach welchem Verfahren Urlaub im Unternehmen beantragt, geprüft und gewährt wird.
Das Bundesurlaubsgesetz gibt den rechtlichen Rahmen vor. Betriebliche Regeln dürfen gesetzliche Mindestansprüche nicht beliebig zulasten der Beschäftigten verändern.
Ein vorhandener Betriebsrat hat bei allgemeinen Urlaubsgrundsätzen und beim Urlaubsplan nach § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG mitzubestimmen.
Mit absentify lassen sich festgelegte Urlaubsprozesse direkt in Microsoft Teams und Outlook abbilden.
Was regelt eine Urlaubsregelung?
Eine Urlaubsregelung beschreibt, wie ein Unternehmen mit Urlaub im Arbeitsalltag umgeht. Sie legt zum Beispiel fest, wo ein Antrag gestellt wird, wer ihn bearbeitet und nach welchen Grundsätzen zeitliche Überschneidungen geprüft werden.
Damit unterscheidet sie sich vom Urlaubsanspruch. Der Urlaubsanspruch bestimmt, wie viele Tage einer Person zustehen. Die Urlaubsregelung gibt vor, wie diese Tage betrieblich geplant und gewährt werden.
Auch die konkrete Urlaubsplanung ist enger gefasst. Ein Urlaubsplan zeigt bereits vorgesehene Abwesenheiten. Die Urlaubsregelung schafft den Rahmen, aus dem diese Planung entsteht.
Muster einer Urlaubsklausel im Arbeitsvertrag
Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub. Bei einer Fünf-Tage-Woche entspricht dieser derzeit 20 Arbeitstagen pro Kalenderjahr. Zusätzlich gewährt der Arbeitgeber einen vertraglichen Urlaub von [____] Arbeitstagen. Bei der Urlaubsgewährung wird zunächst der gesetzliche Urlaub eingebracht.
Der vertragliche Zusatzurlaub mindert sich für jeden vollen Monat, in dem kein Anspruch auf Entgelt oder Entgeltfortzahlung besteht beziehungsweise das Arbeitsverhältnis ruht, um ein Zwölftel.
Für den vertraglichen Zusatzurlaub kann vereinbart werden, dass dieser am [____] des jeweiligen Kalenderjahres beziehungsweise mit Ablauf des vereinbarten Übertragungszeitraums am [____] des Folgejahres verfällt. Für den gesetzlichen Mindesturlaub gelten die gesetzlichen Vorgaben und die dazu ergangene Rechtsprechung.
Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses sollen verbleibende Urlaubsansprüche innerhalb der Kündigungsfrist genommen werden, soweit dies möglich ist. Im Übrigen richtet sich die rechtliche Behandlung des Urlaubs nach den gesetzlichen Bestimmungen.
Die Musterklausel sollte an Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung und den konkreten Arbeitsvertrag sowie aktuelle Regelungen angepasst und im Zweifel arbeitsrechtlich geprüft werden.
Welche Urlaubsregeln sind gesetzlich vorgegeben?
Den Ausgangspunkt bildet das Bundesurlaubsgesetz. Nach § 7 Abs. 1 BUrlG sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers bei der zeitlichen Festlegung grundsätzlich zu berücksichtigen. Dringende betriebliche Belange oder sozial vorrangige Urlaubswünsche anderer Beschäftigter können entgegenstehen.
Daneben können Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung und Arbeitsvertrag weitere Vorgaben enthalten.
Regelungsebene
Typische Inhalte
Bundesurlaubsgesetz
Mindestanspruch, zeitliche Gewährung, Übertragung und Abgeltung
Tarifvertrag
zusätzliche Urlaubstage oder branchenspezifische Regeln
Betriebsvereinbarung
allgemeine Urlaubsgrundsätze und betriebliche Verfahren
Arbeitsvertrag
vertraglicher Mehrurlaub und zulässige ergänzende Regelungen
interner Prozess
Antragsweg und Zuständigkeiten
§ 13 BUrlG begrenzt Abweichungen vom gesetzlichen Urlaubsrecht. Außerhalb der dort vorgesehenen tariflichen Gestaltungsmöglichkeiten darf von den gesetzlichen Bestimmungen grundsätzlich nicht zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden.
Betriebliche Urlaubsregeln ergänzen den gesetzlichen Rahmen
Eine interne Regel kann festlegen, wie Urlaubsanträge eingereicht und bearbeitet werden. Sie kann den gesetzlichen Mindesturlaub oder die Vorgaben aus § 7 BUrlG jedoch nicht einfach außer Kraft setzen.
Was sollte eine betriebliche Urlaubsregelung festlegen?
Eine Urlaubsregelung sollte vor allem die Fragen beantworten, die bei der täglichen Planung immer wieder auftreten. Der Umfang hängt von der Größe und Organisation des Unternehmens ab.
Wo ist der aktuelle Stand einsehbar und wie wird mit Überträgen gearbeitet?
Die Regelung sollte für Beschäftigte leicht auffindbar sein. Es hilft wenig, einen detaillierten Prozess festzulegen, wenn einzelne Teams trotzdem eigene Wege nutzen.
Interne Fristen richtig einordnen
Das Bundesurlaubsgesetz enthält keine allgemeine Frist, nach der jeder Urlaubsantrag eine bestimmte Zahl von Wochen vor Urlaubsbeginn eingereicht werden muss. Unternehmen können für ihre Planung eigene Zeiträume festlegen. Das kann etwa für längere Urlaube oder stark nachgefragte Ferienzeiten sinnvoll sein. Solche Vorgaben bleiben betriebliche Regeln und sollten auch als solche kommuniziert werden.
Zuständigkeiten eindeutig festlegen
Jeder Antrag sollte eine klar bestimmte genehmigende Person erreichen. In größeren Unternehmen können die Zuständigkeiten je Abteilung unterschiedlich sein. Auch Vertretungen für abwesende Führungskräfte sollten definiert werden. Anträge bleiben sonst liegen, obwohl der eigentliche Urlaubszeitraum problemlos geprüft werden könnte.
Wie sollte eine Urlaubsregelung mit gleichzeitigen Urlaubswünschen umgehen?
Mehrere Urlaubswünsche für denselben Zeitraum sind zunächst ein Planungsfall. Erst wenn nicht alle Wünsche gleichzeitig erfüllt werden können, entsteht ein Konflikt. § 7 Abs. 1 BUrlG erlaubt eine Abweichung vom gewünschten Zeitraum bei dringenden betrieblichen Belangen oder sozial vorrangigen Urlaubswünschen anderer Beschäftigter.
Das Gesetz nennt jedoch keine starre Rangliste für jede denkbare Situation. Eine betriebliche Regelung sollte deshalb beschreiben, wie solche Fälle geprüft werden. Ein aktueller Überblick über bereits genehmigte Abwesenheiten gehört dazu. Eine festgelegte Mindestbesetzung kann die Planung unterstützen. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch die rechtliche Prüfung eines konkreten Urlaubsantrags.
Mindestbesetzung ist eine Planungsregel
Eine interne Mindestbesetzung kann anzeigen, wann weitere Abwesenheiten geprüft werden müssen. Ob ein konkreter Urlaubswunsch deshalb abgelehnt werden darf, richtet sich weiterhin nach § 7 BUrlG und der tatsächlichen betrieblichen Situation.
Wie ist der Betriebsrat an der Urlaubsregelung beteiligt?
Besteht ein Betriebsrat, kann der Arbeitgeber allgemeine Urlaubsgrundsätze nicht allein festlegen. § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG nennt ausdrücklich die „Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze und des Urlaubsplans“. Das Mitbestimmungsrecht gilt außerdem für die zeitliche Lage des Urlaubs einzelner Arbeitnehmer, wenn zwischen Arbeitgeber und Beschäftigtem keine Einigung erzielt wird.
Damit betrifft die Mitbestimmung vor allem Regeln, die über den einzelnen Antrag hinausgehen. Dazu können Planungsverfahren oder allgemeine Vorgaben für Urlaubszeiten gehören.
Mitbestimmung bei allgemeinen Urlaubsgrundsätzen
Ein vorhandener Betriebsrat ist bei allgemeinen Regeln zur Urlaubsplanung nach § 87 Abs. 1 Nr. 5 BetrVG zu beteiligen. Das gilt auch für einen Urlaubsplan und bestimmte Konflikte über die zeitliche Lage des Urlaubs.
Wie passen Betriebsurlaub und Urlaubssperren in die Urlaubsregelung?
Betriebsurlaub und Urlaubssperren betreffen beide die zeitliche Steuerung von Urlaub. Sie sollten jedoch als eigene arbeitsrechtliche Fälle behandelt werden. Beim Betriebsurlaub legt ein Unternehmen einen Zeitraum fest, in dem ein Betrieb oder Betriebsteil geschlossen wird.
Eine Urlaubssperre beschränkt dagegen die Urlaubsgewährung für einen bestimmten Zeitraum. Für beide Maßnahmen müssen die jeweiligen Voraussetzungen geprüft werden. Ein allgemeiner Satz in der Urlaubsregelung reicht dafür nicht aus.
Die Einzelheiten lassen sich in den absentify-Inhalten zu Betriebsurlaub und Urlaubssperre vertiefen. So bleibt die Urlaubsregelung auf ihren eigentlichen Zweck konzentriert: den wiederkehrenden Ablauf im Unternehmen.
Wie wird aus der Urlaubsregelung ein funktionierender Prozess?
Eine geschriebene Regel hilft erst dann im Arbeitsalltag, wenn Beschäftigte und Führungskräfte nach ihr arbeiten können.
Für die Einführung bietet sich folgender Ablauf an:
Lege fest, welche betrieblichen Urlaubsregeln gelten sollen.
Ordne jedem Antrag eine zuständige Person oder Rolle zu.
Mache die Regeln für alle betroffenen Beschäftigten zugänglich.
Bilde den festgelegten Ablauf im verwendeten Antragssystem ab.
Prüfe regelmäßig, ob neue Teamstrukturen oder rechtliche Änderungen eine Anpassung verlangen.
Der Prozess sollte möglichst wenig Sonderwege enthalten. Sobald einzelne Abteilungen wieder eigene Tabellen oder informelle Freigaben nutzen, verliert die gemeinsame Regel ihre Wirkung.
Wie verhindert man Fehler bei der Umsetzung einer Urlaubsregelung?
Viele Fehler lassen sich bereits vermeiden, wenn die Urlaubs- und Abwesenheitsverwaltung an einem zentralen Ort gebündelt wird. Statt Vorgaben bei jedem Antrag erneut prüfen zu müssen, kann eine Software für Abwesenheitsmanagement die festgelegten Regeln direkt in den Prozess übernehmen. So arbeiten alle Beteiligten mit demselben Ablauf und greifen auf denselben aktuellen Stand zu.
Urlaubsregelung
Umsetzung in einer Software
Festgelegter Antragsweg
Mitarbeiter stellen ihren Urlaubsantrag direkt über die verwendete Arbeitsumgebung, etwa in Microsoft Teams oder Outlook
Zuständigkeit für Freigaben
Der Antrag wird der hinterlegten Führungskraft oder Genehmigungsrolle zur Prüfung angezeigt
Regeln bei Überschneidungen
Eine Teamansicht zeigt bereits geplante Abwesenheiten, bevor ein weiterer Antrag freigegeben wird
Urlaubskontingente
Verfügbare Urlaubstage und Resturlaub werden pro Mitarbeiter im persönlichen Bereich angezeigt und nach genehmigten Abwesenheiten aktualisiert
Vertretung bei Abwesenheit
Ist die zuständige Führungskraft selbst abwesend, kann eine hinterlegte Vertretung offene Anträge übernehmen
Gemeinsame Planung
Genehmigte Abwesenheiten werden in den Teamkalender übernommen und können mit Outlook synchronisiert werden
Bei absentify wird die Urlaubs- und Abwesenheitsplanung beispielsweise direkt in Microsoft 365 gebündelt. Festgelegte Regeln lassen sich in den Genehmigungsprozess übertragen, sodass Anträge nach demselben Ablauf bearbeitet werden. Mitarbeiter arbeiten weiter in Teams oder Outlook, während HR den Prozess zentral steuert.
Urlaubsregeln im Alltag verankern
Eine betriebliche Urlaubsregelung sollte beantworten, wie Urlaub beantragt wird und nach welchen Grundsätzen das Unternehmen mit Konflikten umgeht. Gesetzliche Rechte, Mitbestimmung und der tatsächliche Arbeitsablauf müssen dabei zusammenpassen.
Mit absentify sehen berechtigte Personen den aktuellen Urlaubsstand und bereits geplante Abwesenheiten in einer gemeinsamen Übersicht.
Dein nächster Schritt: Prüfe, ob alle Teams im Unternehmen heute bereits nach demselben Urlaubsprozess arbeiten.
Urlaubsprozesse direkt in Microsoft 365 abbilden
Lege deinen Genehmigungsweg fest und verwalte Abwesenheiten dort, wo dein Team ohnehin arbeitet.
Das Bundesurlaubsgesetz verlangt kein eigenständiges Dokument mit dem Titel „Urlaubsregelung“. Für den Arbeitsalltag ist eine dokumentierte Regel dennoch sinnvoll, damit Beschäftigte und Führungskräfte denselben Antragsweg und dieselben Zuständigkeiten kennen.
Unterschiedliche betriebliche Abläufe können möglich sein, wenn die jeweilige Organisation dies erfordert und die übergeordneten rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Besteht ein Betriebsrat, können bei allgemeinen Urlaubsgrundsätzen Mitbestimmungsrechte nach § 87 BetrVG betroffen sein.
Ja. Auch Beschäftigte in der Probezeit unterliegen dem betrieblichen Antragsprozess. Für die Höhe des gesetzlichen Urlaubsanspruchs gelten allerdings die besonderen Regeln zur sechsmonatigen Wartezeit nach § 4 BUrlG.
Ja. absentify unterstützt unterschiedliche Genehmigungsprozesse für Abwesenheiten. Dadurch können Unternehmen den Freigabeweg an ihre vorhandene Organisationsstruktur anpassen.
absentify kann Abwesenheiten auf Teamebene sichtbar machen und bei der Prüfung von Überschneidungen unterstützen. Die aktuelle absentify-Dokumentation beschreibt außerdem Regeln zur Mindestbesetzung im Zusammenhang mit Urlaubsfreigaben.
Urlaubsregelung – Häufige Fragen und Antworten
Das Bundesurlaubsgesetz verlangt kein eigenständiges Dokument mit dem Titel „Urlaubsregelung“. Für den Arbeitsalltag ist eine dokumentierte Regel dennoch sinnvoll, damit Beschäftigte und Führungskräfte denselben Antragsweg und dieselben Zuständigkeiten kennen.
Unterschiedliche betriebliche Abläufe können möglich sein, wenn die jeweilige Organisation dies erfordert und die übergeordneten rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Besteht ein Betriebsrat, können bei allgemeinen Urlaubsgrundsätzen Mitbestimmungsrechte nach § 87 BetrVG betroffen sein.
Ja. Auch Beschäftigte in der Probezeit unterliegen dem betrieblichen Antragsprozess. Für die Höhe des gesetzlichen Urlaubsanspruchs gelten allerdings die besonderen Regeln zur sechsmonatigen Wartezeit nach § 4 BUrlG.
Ja. absentify unterstützt unterschiedliche Genehmigungsprozesse für Abwesenheiten. Dadurch können Unternehmen den Freigabeweg an ihre vorhandene Organisationsstruktur anpassen.
absentify kann Abwesenheiten auf Teamebene sichtbar machen und bei der Prüfung von Überschneidungen unterstützen. Die aktuelle absentify-Dokumentation beschreibt außerdem Regeln zur Mindestbesetzung im Zusammenhang mit Urlaubsfreigaben.
Über den Autor
Anna Keller
Content Managerin bei absentify
Als Blogautorin bei absentify erklärt Anna Keller, wie Unternehmen Abwesenheiten, Urlaub und Arbeitszeiten effizient verwalten können. In ihren Artikeln verbindet sie HR-Praxis mit Microsoft 365-Tipps für Outlook und Teams und liefert Vorlagen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Softwarevergleiche für moderne, digitale Prozesse.